»Klassik im Krafft-Areal«


Samstag, den 23. Juli 2022, 19.00 Uhr

Andrea Kauten (Photo: Manfred Esser)
Aurélien Bello (Photo: P. Adamik)
SWDKO Pforzheim (Photo: Sebastian Seibel)

Südwestdeutsches Kammerorchester Pforzheim

Aurélien Bello, Leitung
Andrea Kauten, Klavier


Das als Basis mit vierzehn Musikern besetzte Südwestdeutsche Kammerorchester Pforzheim ist eines der wenigen Full-time-Kammerorchester Europas: So wird eine außergewöhnliche Homogenität des Klangbildes möglich, die auch in größerer Besetzung mit Bläsern und weiteren Streichern aus einem festen Musikerstamm erhalten bleibt. Gegründet wurde das Ensemble im Jahr 1950 vom Hindemith-Schüler Friedrich Tilegant. Rasch fanden die Pforzheimer internationale Anerkennung. Mit Dietrich Fischer-Dieskau, Frans Brüggen und Yehudi Menuhin seien nur einige der musikalischen Größen genannt, mit denen das »Südwestdeutsche« zusammenarbeitete. Mehr als 250 Schallplatten und CDs hat das Südwestdeutsche Kammerorchester eingespielt, von denen eine ganze Reihe mit internationalen Preisen ausgezeichnet wurden. Zahlreiche Uraufführungen belegen seine Kompetenz auch für die zeitgenössische Musik. Auch in jüngerer Zeit musizierte das Kammerorchester mit international bekannten Solisten wie Nigel Kennedy, Mischa Maisky, Cyprien Katsaris, Christian Tetzlaff oder Lars Vogt und war in ganz Europa (Festival Prager Frühling, Schleswig-Holstein-Musikfestival, Schwetzinger Festspiele, Festival Euro Mediterraneo Rom, OsterKlang Wien, Sala Verdi Mailand, Auditorio Nacional Madrid, Berliner Philharmonie), in den USA und in Japan zu Gast.

Aurélien Bello, 1980 in Frankreich geboren, studierte zunächst Harfe, Musiktheorie und Orchestrierung am Conservatoire National Supérieur de Musique in Lyon und anschließend Dirigieren an der Hochschule für Musik »Hanns Eisler« in Berlin bei Prof. Hans-Dieter Baum. Er wurde vom Dirigentenforum des Deutschen Musikrates gefördert und war Stipendiat der Akademie »Musiktheater heute«, einer Stiftung der Deutschen Bank. Als Harfenist spielte Aurélien Bello bei renommierten Orchestern, so auch bei den Berliner Philharmonikern, unter Dirigenten wie Simon Rattle, Pierre Boulez und Gustavo Dudamel. Er dirigierte viele renommierte Klangkörper, u.&xnbsp;a. das Deutsche Symphonie-Orchester Berlin, das Konzerthausorchester Berlin, die Deutsche Radiophilharmonie, das Radio-Sinfonieorchester Berlin, das Münchner Rundfunkorchester, das Stuttgarter Kammerorchester und das Südwestdeutsche Kammerorchester Pforzheim, mit dem ihn bereits eine längere Zusammenarbeit verbindet. Aurélien Bello leitet seit deren Gründung 2015 die Junge Kammerphilharmonie&xnbsp;Berlin.&xnbsp;Opernproduktionen führten Aurélien Bello u.a. an die Komische Oper Berlin, zu den Festspielen in Baden-Baden, nach Kiel, Bielefeld, Gelsenkirchen, Schwerin und Rheinsberg. Seit 2013 widmet sich Aurélien Bello auch vermehrt der Orchestrierung und der Komposition. Für die Berliner Philharmoniker bearbeitete er »Der kleine Rosenkavalier« von Richard Strauss, »La Boîte à Joujoux« von Debussy sowie die »Hommage à Sir Simon Rattle« zu dessen Verabschiedung. Für das Radio-Sinfonieorchester Berlin reduzierte er den »Ring des Nibelungen« von Wagner auf 50 Musiker und 100 Minuten. Neben seinem Orchesterwerk »Eine kurze Geschichte der Zeit« nach Stephen Hawking komponierte er zwei Opern für die Musikakademie Rheinsberg und nach Motiven von Verdi die Kinderoper »Der Kleine und Otello«, die von den Berliner Philharmonikern uraufgeführt wurde.

Andrea Kauten begann ihr Klavierspiel beim Basler Pianisten Albert Engel. Als 14-Jährige erhielt sie den 1. Preis des Schweizerischen Jugendmusikwettbewerbs. Es folgte ein Studium in Basel und an der Franz Liszt-Akademie in Budapest. Seit 2006 veröffentlicht die Pianistin bei Sony. Sie spielte Solo-CDs mit Werken von Schumann, Liszt, Beethoven, Chopin und Rachmaninow ein und veröffentlichte ein Album mit Klavierkonzerten von Johannes Brahms und Hermann Goetz, jeweils begleitet vom Savaria Symphony Orchestra unter der Leitung von Ádám Medveczky. 2019 präsentierte Andrea Kauten zusammen mit dem Südwestdeutschen Kammerorchester Pforzheim die CD »Clara Schumann & Zeitgenossen« und im Juni 2021 erschien »Promenade« mit den Préludes op. 28 von Frédéric Chopin und »Bilder einer Ausstellung« von Modest Mussorgski.



Programm

Ludwig van Beethoven Streichquartett Nr. 15 a-Moll op. 132, 3. Satz
1770 – 1827 »Heiliger Dankgesang eines Genesenen an die Gottheit,
in der lydischen Tonart«
  Molto adagio –
Neue Kraft Fühlend: Andante – Molto adagio – Andante –
Molto adagio: Mit innigster Empfindung
 
Wolfgang Amadeus Mozart Serenade Nr. 6 D-Dur KV 239 »Serenata notturna«
1756 – 1791 1. Marcia. Maestoso
2. Menuetto – Trio
3. Rondeau. Allegretto
 
Ludwig van Beethoven Klavierkonzert Nr. 3 c-Moll op. 37
  Fassung für Streicher und Pauke von Vinzenz Lachner
  1. Allegro con brio
2. Largo
3. Rondo. Allegro scherzando
 


Das Streichquartett Nr. 15 a-Moll op. 132 zählt zu Ludwig van Beethovens späten Quartetten. Zur Zeit der Komposition litt Beethoven an einer schweren Krankheit. Er musste seine Arbeit 1825 für mehrere Wochen unterbrechen. Im dritten Satz, dem Herzstück des Werks, bringt er die Dankbarkeit über seine Genesung zum Ausdruck. Den Satz bestimmen choralartige Passagen, die den »Heiligen Dankgesang« ganz offensichtlich in die lange religiöse Tradition stellen, die aber zwei Mal unterbrochen werden durch den individuellen, subjektiven Beethoven »Neue Kraft fühlend«. Aldous Huxley schreibt in seinem Roman »Point Counter Point«: »Man kann gar nichts verstehen solange man das nicht gehört hat. Es beweist allerlei – Gott, die Seele, das Gute – unausweichlich. Es ist der einzige wirkliche Beweis, den es gibt, weil Beethoven der einzige Mensch war, der seinem Wissen Ausdruck zu geben vermochte.«

Die Serenade Nr. 6 D-Dur KV 239, »Serenata notturna«, komponierte Wolfgang Amadeus Mozart im Januar 1776 für den Salzburger Fasching. Die Besetzung sieht im Stile eines Concerto grosso zwei »Orchester« vor: Concertino (Solisten) und Tutti (das gesamte Ensemble). Als Concertino fungieren zwei Soloviolinen, eine Bratsche und ein Kontrabass, das Tutti besteht aus den Solisten, weiteren Streichern sowie – recht ungewöhnlich und dem Fasching geschuldet – Pauken. Mit dem einleitenden, durch die Pauke recht »militärisch« erscheinenden Marsch, zogen die Solospieler in den Saal, wo die restlichen Spieler des Ensembles zur weiteren Aufführung der »Serenata notturna« bereits auf sie warteten.

Ludwig van Beethoven hat sein Klavierkonzert Nr. 3 c-Moll op. 37 1804 dem Prinzen Louis Ferdinand von Preußen gewidmet, dem Beethoven freundschaftlich verbunden war. Von Ferdinands Klavierspiel sagte er, der Prinz spiele »gar nicht königlich oder prinzlich, sondern wie ein tüchtiger Klavierspieler«. Zur Uraufführung gelangte das Konzert am 5. April 1803 im Rahmen einer Akademie Beethovens in Wien im Saal des Theaters an der Wien. Der Komponist trat selbst als Solist auf. Der Solopart war noch nicht vollständig notiert, was seinen Umblätterer ins Schwitzen brachte: »Ich erblickte fast lauter leere Blätter, höchstens auf einer oder der anderen Seite ein paar mir recht unverständliche Hieroglyphen hingekritzelt.« – Die Fassung für Klavier, Streichorchester und Pauke von Vinzenz Lachner erschien 1881 in Stuttgart bei J. G. Cotta. Lachner war Kapellmeister des Mannheimer Nationaltheaters und lehrte am Großherzoglich Badischen Konservatorium in Karlsruhe.



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